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Der Bariton – schwer, tief und böse?

Nicht so tief, wie ein Bass, nicht so hoch wie ein Tenor, mit einem Stimmumfang von G – g‘: zwei Oktaven, die es in sich haben.

Als Bariton, aus dem griechischen „barys“ = „schwer, tief“ und „tonos“ = „Klang“ bezeichnet man die mittlere männliche Gesangs-Stimmlage zwischen Tenor und Bass, aber auch, dies sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, das Bariton oder Baryton, ein Blechblasinstrument mit 3 oder 4 Ventilen.

Die allen bekannte Benennung/Unterteilung der Singstimmen in Sopran, Alt, Tenor und Bass mit den Zwischenstufen Mezzosopran bei den Frauen- und Bariton bei den Männerstimmen ist nur als Charakterisierung der Stimmlagen zu verstehen. Für die Opernbühne wurde es notwendig, die einzelnen Stimmgattungen in verschiedene Fächer zu unterteilen. Diese Unterteilung war und ist bestimmt durch die Qualität, den Umfang und das Volumen. Im Hinblick auf die gesanglichen und darstellerischen Anforderungen wurden zwei Unterabteilungen gebildet, die man als Fächer bezeichnet.
 
Da sind zunächst zwei Hauptgruppen zu nennen:
1. die seriösen Fächer und
2. die Spiel- und Charakterfächer.

Die sogenannten seriösen Fächer verlangen vor allem stimmliche Qualitäten, was sich sowohl auf die Stimme an sich, also das sogenannte Stimmmaterial, als auch die technische Beherrschung der Stimme bezieht und sind wiederum in drei Kategorien unterteilt:
a) Lyrisches Fach
b) Zwischenfach
c) Heldenfach

Will man versuchen, diese drei Kategorien zu beschreiben, so könnte man sagen, dass die lyrischen Fächer hauptsächlich in der Spiel- und Buffaoper zu finden sind, während das Heldenfach dem dramatischen Musikdrama zuzuordnen sind. Das Zwischenfach liegt, wie der Name schon sagt, zwischen beiden Gebieten.

Im „Handbuch der Oper“, dem Klassiker unter den Opernführern, von Rudolf Kloiber, Wulf Kunold und Robert Maschka, erschienen im Bärenreiter Musikverlag, wird dazu folgendes geschrieben:
„Mit Ausnahme des Heldenbaritons, der schon bei Gluck und Marschner vorkommt, wurden die dramatischen Fächer erst von Richard Wagner entwickelt; der Einsatz dieser Fächer in Opern vor Wagner ist demnach eher unüblich, kann sich aber aufgrund der heute praktizierten größeren Orchesterbesetzung als notwendig erweisen. Auch die Spiel- und Charakterfächer erfordern natürlich zunächst gesangliche Qualitäten. Darüber hinaus werden bei den Spielfächern vornehmlich darstellerische Fähigkeiten verlangt, die Spielbegabung und Humor voraussetzen, während bei den Charakterfächern gesteigerte Anforderungen an die Charakterisierungskunst des Sängers gestellt werden, was wiederum Intelligenz und geistige Beweglichkeit bedingt. Hinsichtlich des Stimmvolu- mens umfassen die Spielfächer im Allgemeinen die leichteren und die Charakterfächer die schwereren Organe. Generell ist zu sagen, dass heute darstellerische Fähigkeiten quer durch alle Fächer verlangt werden, und zwar gleichermaßen von den Regisseuren wie vom Publikum; die Zeit des »Stehsängers« und »Stimmbesitzers« ist vorbei.“

Im Bereich der seriösen Fächer spricht man vom Lyrischen Bariton mit einem Stimmumfang von B – as‘, vom Kavalierbariton mit einem Stimmumfang von A - g‘ und vom Heldenbariton mit einem Stimmumfang von G – fis‘. Bei den Spiel- und Charakterfächern findet man den Spielbariton mit einem Stimmumfang von B – as‘ und den Charakterbariton mit einem Stimmumfang von A – g‘. Man kann also allgemein sagen, dass ein Bariton einen Stimmumfang von 2 Oktaven hat.

Im oben genannten Opernführer werden die einzelnen Fächer wie folgt charakterisiert:

  • Lyrischer Bariton mit weicher, beweglicher Stimme mit schöner Linie und großer Höhe.
  • Kavalierbariton mit einer eher metallischen Stimme, die ebenso lyrische Stellen wie dramatische Höhepunkte gestalten kann; sie hat eine männlich edle, baritonale Färbung.   
  • Heldenbariton nennt eher ein schweres, ausladendes Organ sein Eigen, das nicht nur über eine strahlende Höhe, sondern auch über eine gut ausgeglichene, tragfähige mittlere und tiefe Lage verfügt.

Diese sehr dezidierte Unterteilung kann in unserem heutigen Opernbetrieb gar nicht konsequent eingehalten werden, weil sich die Anforderungen an die Ausfüllung einer Rolle sehr gewandelt haben.
Neben der stimmlichen Ausfüllung einer Rolle, eines Faches, die natürlich immer noch primär ist, geht es auch um die darstellerische Überzeugungskraft, als auch die Ausfüllung eines bestimmten szenischen Typus, man könnte auch sagen, dass viele Regisseure mehr Wert auf die optische Erscheinung eines Sänger legen, als auf die sängerisch-musikalischen Fähigkeiten.

Die Folge für uns Sänger ist, dass wir, im Idealfall in Absprache zwischen Theaterleitung und Künstler, nicht mehr als reiner Charakter- oder Heldenbariton engagiert werden, sondern es, beispielsweise, solche Formulierungen gibt: „- wird engagiert als dramatischer Bariton mit angrenzenden Partien nach Eignung.“

Bei der Frage der Besetzung ist auch die Fürsorgepflicht der Theaterleitung gefragt. In einem kleineren Haus mit guter Akustik kann ein lyrischer Bariton auch mal eine Partie aus dem Kavalierfach singen, ohne Schaden zu nehmen. In einem größeren Haus mit schlechter Akustik würde das Theater dem Sänger und der Sänger sich selbst schaden, wenn es zu so einem Fall käme.