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Il viaggio a Hannover, die Reise nach Hannover via Hagen, Münster, Kassel und diverse Erlebnisse an diversen Orten

Stefan Adam über seine Lebens- und Arbeitsstationen, seinen Weg vom Studium über erste Berufserfahrungen bis an die Staatsoper Hannover

Nach dem Abitur stand für mich erst einmal fest, Kirchenmusik zu studieren, was auf meine Kindheit und Jugend in der heimischen Kirchengemeinde, will sagen, das Singen in der Kinder-, Jugend- und „großen“ Kantorei beruht. Die Vielfältigkeit des Kantorenamtes faszinierte mich von Kindheitstagen an und so begann ich an der Kirchenmusikschule Düsseldorf ein Studium der Evangelischen Kirchenmusik und wechselte nach zwei Jahren in die Abteilung Evangelische Kirchenmusik der Robert-Schumann-Hochschule. Schon während des Studiums sammelte ich erste Berufserfahrungen als nebenamtlicher Kirchenmusiker an einer großen nebenamtlichen Kirchenmusikstelle in Neuss.

Damals war der Plan, nach dem Examen eine hauptamtliche Kantorenstelle zu bekleiden und nebenher Konzerte zu singen. Obwohl ich seit vielen Jahren ein begeisterter Theatergänger war, mit Eltern und Freunden Theaterabos hatte und mit meinem Deutsch Leistungskurslehrer Theaterfahrten organisiert habe, wäre es mir nie in den Sinn gekommen, einmal selber auf der Bühne zu stehen.

Die „Initialzündung“ kam dann ein Jahr nach Beginn meines Gesangsstudiums in Köln, als ich zu einer freien Opernproduktion nach Tübingen engagiert wurde. Gespielt wurde ein Kammeroper von Gustav Holst, ein burleskes Stück über kleine und große Sünden, das man zusammenfassen kann mit dem bekannten Satz: „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Um es kurz zu machen, ich leckte Blut und war fortan mit dem Theatervirus infiziert. Nun hieß es, konsequent den Plan zu verfolgen, sich dem Ziel zu nähern.

Zuerst mussten alte Zöpfe abgeschnitten werden, also kündigte ich meinen Dienst als Kirchenmusiker, um mich ganz dem Gesangsstudium widmen zu können. Finanziert habe ich das Studium mit einem Studentenjob in einem großen, nach einem Planeten benannten Kaufhaus, dass spezialisiert war u. a. auf den Verkauf von Klassik-CDs, was ich nun zwei Jahre lang tun sollte.

Schon drei Jahre nach Beginn meines Studiums kam, wovon wir Sänger alle träumen. Ich wurde zu einem Vorsingen ans Theater Hagen eingeladen, ging hin, ohne mir große Hoffnungen zu machen – und bekam mein erstes Engagement. Nach allem „Theoretisieren“ an der Hochschule sollte nun endlich die Praxis folgen, ich die Gelegenheit bekommen, sozusagen das Laufen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu lernen.

Aus der Information des Theaters:
„Die Geschichte des Hagener Theaters beginnt lange vor der Einweihung des städtischen Schauspielhauses am 5. Oktober 1911: Bereits 1832 gastierten die ersten Wanderbühnen in der seinerzeit nur etwa 23.000 Einwohner zählenden Stadt.
Am 5. Oktober 1900 wurde der Hagener Theaterverein gegründet, der gemeinsam mit der Hagener Konzertgesellschaft 1901 den Anstoß zur Errichtung eines eigenen Gebäudes gab.
1909 wurde mit erheblicher privater Beteiligung von Hagener Bürgern die »Theater-AG« gebildet; 1910 trat der Theaterverein der AG bei. Das Engagement von Theaterbegeisterten aus Stadt und Region trug damit entscheidend dazu bei, dass Hagen seine eigene Bühne erhielt – das Theater versteht sich deshalb bis heute stolz als »Bürgertheater«.“

Dieses Bürgertheater sein zeigte und zeigt sich immer wieder in der Akzeptanz des Hauses durch das Publikum, selten habe ich eine größere Zuneigung und einen größeren Einsatz zum und für ein Theater erlebt.
Für mich als Theatereleven war es aber erst einmal wichtig, in ein gut funktionierendes Ensemble zu kommen, wo ich den Halt der Gruppe hatte, mich im Berufsleben zurecht zu finden, mich weiter zu entwickeln. Eine wichtige Partie in diesem Spiel des Berufslebens war mein erster Intendant Peter Pietzsch, der, selber ausgebildeter Sänger, ein fürsorgliches Auge auf den jungen Sänger geworfen hatte. Auch wenn ich in den ersten Jahres meines Theaterdaseins 7 von 8 Produktionen pro Spielzeit gemacht habe (oft auch „nur“ als Doppelbesetzung meines erfahrenen Fachkollegen, wovon ich natürlich immer wieder profitieren konnte), so hat der Intendant immer ein Auge darauf gehabt, mich in einem ständigen Wechsel von kleinen, mittleren und großen Partien zu beschäftigen, was mir die körperliche und geistige Ruhe gab, alles Erlernte, alles Neue zu bewältigen, ohne Schaden zu nehmen.

Ich kann sagen, dass ich ohne die wunderbare Ausbildung bei Kammersängerin Prof. Edda Moser, Prof. Dietger Jacob, der mit mir, bzw. uns allen, gnadenlos an einer fundierten Gesangstechnik gearbeitet hat, und, last but not least, meinem verehrten Meister, Kammersänger Prof. Kurt Moll, der mich künstlerisch und praktisch zum Examen und ins Theaterleben geführt hat, und eben diesen ersten Hagener Jahren nicht so weit gekommen wäre, wie ich gekommen bin.

Nachdem Peter Pietzsch das Hagener Theater verlassen hatte, um sich anderen Aufgaben zu widmen, kam als neuer Intendant Rainer Friedemann ans Haus, der sehr ambitioniertes Theater machte, mich aber dann doch nicht in Hagen halten konnte. Nach sieben Jahren sollte man dann doch endlich mal ein Haus weiterziehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Anruf bei meiner Agentur in München ergab, dass es in Münster eine Vakanz für mein Fach gab. Nachdem ich 1997/1998 schon als Gast in Münster in einer Produktion der Verdi-Oper „La forza del destino“ gesungen hatte, bekam ich ein neues Engagement ohne ein neues Vorsingen, eine wieder neue und schöne Erfahrung.

In Münster sollte ich drei Jahre engagiert sein und in der Rückschau kann ich sagen, dass diese Jahre die künstlerisch wichtigsten und aufregendsten meiner bisherigen Laufbahn waren. Begründet liegt diese Erfahrung in der Person des damaligen Generalmusikdirektors Will Humburg, der mir eine für mich damals völlig neue und höchst spannende Sicht auf die Arbeit am Theater, auf das Musiktheater eröffnete. Von dieser Arbeit profitiere ich heute noch.
Wichtige Impulse die szenische, darstellerische Arbeit betreffend, bekam ich durch die Arbeit mit Persönlichkeiten wie Dietrich Hielsdorf, Gabriele Rech, Inga Levant und Roland Aeschlimann.
Aber auch im Umgang mit dem Publikum machte ich neue Erfahrungen. War und ist in Hagen das Theater und somit wir Künstler ein wichtiger Teil im Leben der Bürgerinnen und Bürger, hatte ich in Münster das Gefühl, dass dort doch eher eine, ich nenne es mal, neutrale Zuneigung vorherrschte. Unsere Arbeit wurde schon begeistert und wohlwollend aufgenommen, aber eben auf andere Weise als in Hagen.

Im dritten Jahr meines Engagements in Münster las ich morgens in der Zeitung, dass mein Intendant das Staatstheater in Kassel übernehmen sollte. Am Abend gab es eine Premiere, in der ich mitwirken sollte. Als ich das Haus betreten hatte, lief ich ihm natürlich gleich in die Arme und gratulierte ihm zu dieser neuen Aufgabe. Anstatt sich zu bedanken, machte er mir das Angebot, mich nach Kassel mitzunehmen, was mich auf der einen Seite überraschte, auf der anderen aber natürlich sehr freute. Nachdem mein Agent mit ihm einen neuen Vertrag ausgehandelt hatte, galt es wieder, die Koffer zu packen und einen Umzug vorzubereiten.

 

Die ersten Jahre in Kassel waren geprägt durch die Sanierung des Staatstheatergebäudes, was zur Folge hatte, dass die Vorstellungen des Musiktheaters in einem Theaterzelt auf dem Friedrichsplatz stattfanden.
In der Vorprobenzeit machte ich an einem Tag, zwischen der Vormittags- und Abendprobe, einen Bummel durch Kassel und schaute mir dabei auch mal das Theaterzelt, das Kuppeltheater, wie es genannt wurde, an. Der Schock, als ich die Baustelle sah, ist nicht zu beschreiben und ich fragte mich, wie ich diesen Vertrag unterschreiben konnte. Später, als das Kuppeltheater eingerichtet war und wir uns an unser neues Domizil gewöhnt hatten, war es aber ein wunderbares Arbeiten dort, weil sich durch einen relativ wandlungsfähigen Umgang mit dem Raum immer wieder neue Perspektiven für uns und das Publikum ergaben.
Fünf Jahre in Kassel hatte das Schicksal für mich eingeplant, Jahre, die voll toller Erlebnisse waren, in denen ich wunderbare Menschen kennenlernen durfte und in der sich Freundschaften entwickelt haben.
Das Leben und Arbeiten war naturgemäß wieder ganz anders, als in den beiden „Vorgängerstädten“. Kassel hat sich mir als eine Stadt gezeigt, die, man möge mir das verzeihen, immer noch Zonenrandgebiet ist und nur alle fünf Jahre aus ihrem Dornröschenschlaf aufwacht, dann nämlich, wenn Documenta ist. In der Zeit meines Engagements war eine Documenta und in dieser Zeit konnte ich erleben, wie die Stadt aufblühte. Das Publikum war aufgeschlossen und interessiert. In der Arbeit mit den neuen Dirigenten und Regisseuren bekam ich wieder viele neue Impulse für meine Arbeit, manchmal leider auch, wie ich es nicht machen möchte.

Nach vier Jahren Kassel tat sich mir wieder eine neue Tür auf in Gestalt meiner Operndirektorin, die mir erzählte,  dass sie als Betriebsdirektorin und Stellvertreterin des Intendanten nach Hannover wechseln würde und mich fragte, ob ich nicht mitgehen wolle. Diese Frage konnte ich natürlich nur mit einem fröhlichen und lauten „Ja, gerne doch!“ beantworten. Nachdem mein neuer, bzw. jetziger Intendant mich in einer Vorstellung in Kassel gesehen und gehört hatte, war ich engagiert, wechselte nach fünf Jahren an der Fulle (= Fulda) an die Leine.


Die Aufregung über diesen neuen Vertrag war schon sehr groß, weil Hannover für mich immer der Inbegriff eines Traditionsreichen, besonderen und großen Hauses war, eine gute Adresse eben, wie man so schön sagt.
Nach nunmehr schon wieder fast vier Jahren muss ich sagen, dass es ein guter Entschluss war, an die Leine zu gehen. Das Ensemble ist groß, ebenso das Haus, das Orchester ist wunderbar und das Publikum wirklich großartig, einfach nur deshalb, weil es uns, seine Sängerinnen und Sänger, liebt und uns das auch immer wieder, nicht nur in Premieren oder Galavorstellungen, zeigt.
Natürlich hat auch dieses neue Engagement Begegnungen mit neuen = anderen Regisseuren mitgebracht, z. T. sehr interessant, aber auch oftmals menschlich problematisch. Aber so hält das wirkliche Leben halt immer wieder Einzug in unser Leben der Fantasie, der erdachten Geschichten.

Neben diesen großen Fixpunkten meines Lebens und Arbeitslebens gab es in den zurückliegenden 30 Jahren, fast 20 davon am Theater, auch viele größere und kleinere Ereignisse und Erfahrungen, die ich als Konzertsänger machen durfte, die mich auf andere Weise geprägt haben, als das Theater.

Wohin mich die Reisen noch führen wird? Das wissen die Götter ...