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Stefan Adam gibt Meisterkurs im Kloster Walsrode

Beginnen wir bei den äußeren Gegebenheiten, wie haben Sie diesen ja doch außergewöhnlichen Kursort empfunden?

Stefan Adam:
Der Kursort ist in der Tat mehr als außergewöhnlich, wann hat man als Dozent und Student schon einmal die Gelegenheit, in einem so schönen Ambiente und an so geschichtsträchtigem Ort zu arbeiten!? Ich möchte an dieser Stelle der Äbtissin des Klosters, Frau Dr. Vierck, und ihren Konventualinnen meinen ausdrücklichen Dank für die herzliche Aufnahme und die großartigen Arbeitsbedingungen aussprechen und ich denke, dass ich das auch im Namen meiner Kollegin Frau Ottinger und der Kursteilnehmer tun darf. Wir sind auf das herzlichste aufgenommen worden, konnten üben und arbeiten, ohne das Gefühl zu haben, die Bewohnerinnen des Klosters zu stören. Im Gegenteil, uns wurde immer wieder gesagt, wie schön es doch sei, mit so viel Musik durch den Tag begleitet zu werden.
Die Gebäude strahlen nicht nur Geschichte aus, sondern auch eine große Ruhe und gaben mir das Gefühl von Geborgenheit, ohne mich zu verstecken, eben die weltoffene Abgeschiedenheit des Klosters.

Wurde von Ihrer und der Seite des Veranstalters, der Äbtissin des Klosters, ein bestimmtes Konzept bei der Planung dieser Meisterklasse verfolgt?

Stefan Adam:
Ja, auf jeden Fall, es war von vornherein unsere Absicht, ein „Komplettpaket“ von intensiver musikalischer Arbeit mit der Chance zu gemeinsamer Zeit im Kloster (Unterbringung und gemeinsame Mahlzeiten) anzubieten, sich eben in diesen Kosmos innerhalb der Klostermauern zurück zu ziehen, um sich mit Musik, Stimme, Sprache und Wahrhaftigkeit zu beschäftigen. Das ist jetzt nicht gleichzusetzen mit einer temporären Gefangennahme, es stand natürlich jeder und jedem frei, sich in Walsrode umzuschauen oder außer Haus zu essen. Das Angebot der gemeinsamen Mahlzeiten wurde aber von allen gerne angenommen.

Das Thema des Kurses war ja zunächst angegeben mit den beiden großen Oratorien Joseph Haydns, der Schöpfung und den Jahreszeiten. Wenn man sich das Programm des Abschlusskonzertes anschaut, ist da ja doch wenig von Haydn zu hören gewesen.

Stefan Adam:
Ja, das stimmt, wie sich auch die gesamte Arbeit des Kurses inhaltlich anders gestaltet hat, als wir es uns gedacht hatten. Das ist mehreren Details anzulasten, die jetzt und hier nicht erörtert werden sollen, sondern in einem Gespräch, einer Manöverkritik, die die Äbtissin und ich in diesen Tagen haben werden. Wir haben uns letztlich zu dieser Öffnung des Programms entschlossen, weil wir zu der Ansicht gelangt sind, dass wir so erst einmal eine wesentlich buntere Melange für die Arbeit und das Konzertprogramm haben würden. Es ist ja auch erst einmal sehr gut aufgegangen, so, wie die Walsroder das Konzert aufgenommen haben.

Wie gestalteten sich die Tage während des Kurses, gab es ein strenges Reglement?

Stefan Adam:
Na ja, was heißt strenges Reglement. Natürlich muß eine gewisse Ordnung in so einem Unternehmen stecken, weil es sonst ineffektiv geworden wäre und natürlich auch, weil  viele Menschen an der Organisation beteiligt waren und unser Tagesplan eingebunden war in die tägliche Ordnung des Klosters.
Wir haben an jedem Tag zwei Unterrichtsblöcke gemacht, einmal zwischen 10 und 13 Uhr und dann noch einmal zwischen 15 und 18 Uhr. Um das Frühstück haben sich die KursteilnehmerInnen selbst gekümmert, mittags und abends gab es im Kloster zubereitetes Essen. Vor und zwischen den Unterrichtsblöcken hatten die TeilnehmerInnen Zeit, zu üben, oder spazieren zu gehen, was immer sie wollten. Die Zeit nach dem Abendessen stand selbstverständlich auch zur freien Verfügung. Wenn jemand mit meiner Kollegin oder mir sprechen wollte, war das natürlich auch immer möglich. Am Tag des Abschlußkonzertes haben wir das Angebot gemacht, vormittags eine Art Generalprobe zu machen und am Nachmittag hatte jeder die Möglichkeit, sich die Klosterkapelle anzuschauen und dort auch ein paar Töne zu singen. Nach dem Konzert klang der Kurs mit einem Abendessen und gemütlichen Beisammensein aus.

Wie wird es weitergehen mit der Walsroder Meisterklasse?

Stefan Adam:
Nun, die Äbtissin, meine wunderbare Kollegin und Co-Dozentin Frau Ottinger und ich waren sehr glücklich über den Verlauf des Kurses und den wirklich sehr guten Verlauf des Konzertes am Sonntagabend, alle TeilnehmerInnen haben sehr gut gesungen, was hier noch einmal ausdrücklich betont werden soll.
Es war und ist ja der Wunsch der Äbtissin, im Rahmen des kulturellen Angebotes des Klosters die Walsroder Meisterklasse jährlich stattfinden zu lassen. Inzwischen hat es sogar schon Anfragen von Kollegen anderer Disziplinen gegeben, als Dozenten ins Kloster zu kommen. Wir werden in unserem Gespräch  auch der Planung zukünftiger Meisterkurse Raum geben. Auf jeden Fall ist es unser Wunsch, die Arbeit weiter zu führen, was uns nach diesem schönen Auftakt bestimmt auch gelingen wird.

Eine letzte Frage: aus welchem Umfeld kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, war die Meisterklasse beworben?

Stefan Adam:
Ja, natürlich war die Meisterklasse beworben worden, Plakate und Fleyer sind an Musikhochschulen und Konservatorien verschickt worden, unser Kurs wurde im Internet auf einer extra für Meisterkurse eingerichteten Seite angekündigt und natürlich lief auch einiges über die altbekannte Mund-zu-Mund-Propaganda, so kam ein Teil der TeilnehmerInnen aus den Klassen von Frau Ottinger an den Musikhochschulen in Köln und Würzburg, eine anderer Teil rekrutierte sich sozusagen aus meinem Dunstkreis. So hatten wir eine interessante Mischung aus MusikstudentenInnen in der Endphase ihres Studiums und semi-professionellen Sängerinnen und Sängern.
Man darf auch nicht außer Acht lassen, das es bei der Fülle von Meisterkursen, die im In- und Ausland angeboten werden, schwer ist, einen optimalen Weg der Bewerbung zu beschreiten, da sind wir natürlich noch auf der Suche nach Optimierung. Aber wir sind guten Mutes, aus den Erfahrungen gelernt zu haben und es beim nächsten Mal, dass es mit Sicherheit geben wird, besser zu machen!

 

Herr Adam, wir danken ihnen für das Gespräch.